OS X 10.8: In iCloud Ordner anlegen

iCloud hält Dokumente und Daten automatisch auf dem neuesten Stand – und zwar auf allen persönlichen Mac-Computern, die den iCloud-Account mit aktiviertem Dienst „Dokumente & Daten“ und OS X Mountain Lion verwenden. Diese Dateien können wie unter iOS verwaltet werden.

iCloud in der Praxis

Apps wie TextEdit, Vorschau und die iWork-Suite unterstützen bereits das iCloud-Verwaltungsfenster. Dieses Fenster taucht auf, wenn die Apps gestartet werden (und beim letzten Schließen keine Dokumente geöffnet waren), oder wenn der Menüpunkt „Ablage > Öffnen…“ gewählt wird. Betätigt man die Schaltfläche „Lokal“ (orig. „On My Mac“), erscheint das altbekannte „Öffnen“-Fenster, das dem Finder ähnelt.

Der andere – mit iCloud beschriftete – Schalter bringt einen jedoch zum neuen iCloud-Fenster mit dunkelgrauem Leinen-Hintergrund. Siehe das Retina-Mac-Bildschirmfoto:

Praktisch ist hier übrigens auch der „Weiterleiten/Senden/Share“-Button. Wird „E-Mail“ ausgewählt, kreiert die App Mail automatisch am lokalen Mac eine E-Mail mit der in iCloud befindlichen Datei als Anhang:

Wer viele Dokumente in iCloud speichert, hat bald den Wunsch, Ordner anzulegen. Wie das geht, ist auf den ersten Blick nicht ersichtlich, Benutzern von iOS-Geräten aber durchaus vertraut: Man zieht einfach eine Datei auf eine andere, die auch in den Ordner soll. Genauso funktioniert das unter OS X 10.8 Mountain Lion.

Aus dem nächsten Screenshot geht hervor, dass nach diesem Drag & Drop der Name für den neuen Ordner in einem iCloud-Mini-Editor eingegeben werden kann:

Voilà! Schon ist ein neuer Ordner im iCloud-Verzeichnis für die App TextEdit hergestellt, sein Symbol mit einer Ansammlung von sehr kleinen Vorschaubildern schaut aus wie unter iOS:

Legt man hier ein „Neues Dokument“ an, so wird dieses automatisch in iCloud gespeichert, beziehungsweise wird iCloud als Speicherort vorgeschlagen, und auch der dort eben erstellte Ordner „Testdokumente“ taucht als Ablageoption auf:

Was passiert eigentlich mit nicht gespeicherten „Ohne Titel“-Dateien? Die sind – wo sonst? – auch in iCloud. Zum Beweis kann man auf einem anderen Mac (mit dem gleichen Benutzerkonto beziehungsweise der gleichen Apple-ID) TextEdit öffnen und wird alle ungesicherten TextEdit-Dokumente in iCloud vorfinden.

Es gibt auch eine etwas vertrautere Ansicht dieser iCloud-Datenverwaltung, nämlich als Liste. Dazu die aus dem Finder bekannte Schaltfläche (unten mittig) betätigen. Im nächsten Bildschirmfoto wurde ebenfalls gerade ein neuer Ordner angefertigt und harrt seiner Beschriftung:

Apples iCloud-Verwaltung ähnelt also mehr dem iOS-Homescreen am iPhone oder iPad (keine Unterordner möglich) als etwa dem populären Web-Dienst des kommerziellen Drittanbieters Dropbox (Wikipedia). Das lässt sich auch daran erkennen, wie man einen solchen iCloud-Ordner löscht: Einfach den Inhalt restlos rausziehen, schon ist er Geschichte. Leere Ordner gibt’s nicht.

Das iCloud-Dateiverwaltungsfenster stellt eine Sortierfunktion nach Namen und ein „Suchen“-Feld zur Verfügung.

Ansonsten können die Dateien nach Belieben verschoben (zum Beispiel von einem Ordner in einen anderen), dupliziert und gelöscht werden (etwa über Rechtsklick und Kontextmenü, allerdings gibt es keine Tastenkombinationen); bei letzterem Vorgang wandern sie aus der weit entfernt liegenden iCloud in den lokalen Papierkorb, der sich am Mac-Festspeicher befindet:

Wie auch bei anderen Gelegenheiten (siehe etwa Retina Mac: Mit dem Datei-Schnellbetrachter ‚Quick Look‘ in PDF-Dokumenten zoomen) lassen sich für diese Vorgänge mehrere Dateien markieren, behilflich ist dabei wie immer die Befehlstaste (⌘ Command).

Ruhig mal ausprobieren, es gibt neue Animationen und Darstellungen der Abläufe. Gruppen von Dateien bekommen beim Verschieben einen Badge-Sticker (kleiner roter Kreis), der ihre Anzahl angibt. Beim automatischen Speichern der Änderungen wird in der Mitte der Zeile eine abstrakt punktierte Mini-iCloud-Animation angezeigt.

Im Finder am Mac gibt es keine iCloud in der linken vertikalen Seitenleiste (im Gegensatz zu iDisk früher, sie ruhe in Frieden), wo man sie vielleicht vermutet hätte (Apple möchte die Dateiverwaltung immer mehr ganz zum Verschwinden bringen), die iCloud-Dokumente sind aber zuverlässig im Ordner „Alle meine Dateien“ zu entdecken – die Pfadangabe unten weist als Aufenthaltsort iCloud aus:

Es müssen sich also die Dateien – oder zumindest Fragmente davon – auch auf dem lokalen Massenspeicher am Mac befinden.

Eine Quelle dafür ist die User-Library. Im Finder-Hauptmenü auf „Gehe zu“ klicken und die [alt]-Taste (⌥ Option) drücken. „Library“ auswählen. Dort „Mobile Documents“ öffnen, und die Pfadangabe wechselt zu „iCloud“, wo man alle Dokumente und Ordner vorfinden sollte, auch wenn der Mac offline ist.

Es ist damit zu rechnen, dass immer mehr Apps auftauchen werden, die vom (in der Basisversion kostenlosen) iCloud-Dienst Gebrauch machen; die Programmierer müssen nur die entsprechende API einbinden. iCloud ist jedoch prinzipiell nur jenen Softwareapplikationen vorbehalten, die über das Mac App Store bezogen werden.

Weiterführende Informationen

  • Apple: Hochglanzbroschüre iCloud mit Videos
  • Apple: Supportdokumente zum Einrichten und Setup von iCloud für die iOS-Geräte, Macs und PCs
  • Ars Technica: iCloud (und die nächsten vier Seiten) über den 2011 erstmals von Apple erwähnten Online-Speicher, für den es bereits beim Mac-Setup Abfragen gibt, oder wenn ein neues Benutzerkonto eröffnet wird. „Apple is pushing iCloud hard in Mountain Lion.“ Ars Technica weiter in archaisch-poetischem Stil:

The overall message from Apple is loud and clear: thou shalt save thy documents in the iCloud, and thou shalt interact with those documents primarily through the applications that created them. (Thou mayest still employ the old ways by clicking “On My Mac” ere opening or saving documents. But seriously, consider using iCloud instead.)

Gerüchte?

Aktuell gibt es auch weniger gute Nachrichten über iCloud. Falls an der Geschichte überhaupt etwas stimmt, scheint es sich schlimmstenfalls um ein – womöglich von einem Sensationsreporter provoziertes – Fehlverhalten des Apple-Supports zu handeln (zusammen mit Google, Amazon, dem „Hacker“ und dem Journalisten), ein unangenehmer Einzelfall:

Kommentar

Dass das ausgerechnet einem Wired-Redakteur passiert ist, der auch bei Gizmodo arbeitet… Was für ein Zufall aber auch! Sobald Gizmodo (eine Art Bild-Zeitung der Computerbranche; Wikipedia) auch nur im Entferntesten im Spiel ist, sind diese Meldungen mit äußerster Vorsicht zu genießen.

Der reißerisch aufgemachte U.S.-Blog (beziehungsweise dessen Chefredakteur) – früher untertänigst Apple gewogen – fiel bei dem Hard- und Softwarehersteller vor ein paar Jahren in Ungnade, als er einen gestohlenen Prototyp vom iPhone 4 nicht zurückgeben wollte. Viele werden sich an die abenteuerliche Geschichte erinnern, die durch die Weltpresse ging.

Seither ist Gizmodo von sämtlichen offiziellen Veranstaltungen der Firma Apple ausgeschlossen; es gab polizeiliche Untersuchungen und Gerichtstermine. Nun beschränkt man sich bei dem Blog fast schon gezwungenermaßen (aber durchaus selbst verschuldet) und mit gleichem geradezu paranoidem Eifer wie früher darauf, die Rache einer Fledermaus auszuüben.

Schon mehrfach konnte nachgewiesen werden, dass der Blog Unwahrheiten und fiese Gerüchte über Apple in die Welt setzt und sich jetzt verstärkt der (angesichts der Apple-Erfolge äußerst nervösen) Konkurrenz anbiedert. Apple könnte einen Jungbrunnen erfinden und verkaufen, und Gizmodo würde kritisieren, dass er das Leben nur um zehn Jahre verlängert, statt um zwanzig.

Es würde mich nicht wundern, wenn diese ganze Geschichte inszeniert wurde. Die uralte Agent-Provocateur-Methode.

Resümee

Eine Anfangsphase. An diesem Beispiel lässt sich hervorragend erkennen, wie sich Apple die zukünftige Dateiverwaltung vorstellt. Strikt anwendungsbezogen, möglichst unsichtbar und vollautomatisch, ohne jede Interaktion seitens des Anwenders und ideal vernetzt mit sämtlichen Geräten (auch mobilen) desselben Accounts.

Stark angelehnt an iOS sind die manuellen Möglichkeiten derzeit zwar noch eingeschränkt, aber das muss ja nicht so bleiben. Immer schön eins nach dem anderen. Schwierig genug, die User von jahrzehntelangen Gewohnheiten mit Findern, Explorern und Dateimanagern loszueisen.

Sie werden aber nicht verprellt. Wie im Retina Mac Posting OS X 10.8 Mountain Lion ist da  bereits kurz erwähnt, führt die Betätigung der [alt]-Taste (⌥ Option) in den „Ablage“-Befehlsdialogen zu den gewohnten Optionen („Speichern unter…“) in jenen Apps, die bereits iCloud-ready sind.

Es gibt inzwischen zwar ein paar Websites, die Methoden propagieren, vollständig zu den Verhältnissen vor Mac OS X 10.7 zurückzukehren (etwa tuaw.com: Get Save As back on Mountain Lion’s File menu easily and without hacks – der Tipp dort ist außerdem mit Vorsicht zu genießen, da es im deutschsprachigen OS X andere Bezeichnungen und Shortcuts gibt; ungetestet), aber ich finde es besser, sich mit den neuen Ausstattungsmerkmalen der iCloud-Datenspeicherung langsam vertraut zu machen.

Es müssen ja für den Anfang nicht gerade die allerwichtigsten Dateien sein, mit denen man iCloud erforscht. In spätestens fünf Jahren gibt es nichts mehr Anderes, und das dann wohl auch für Apps, die größere Dateien produzieren als nur Texte und Fotos. Irgendwann wird sich keiner mehr vorstellen können, dass es jemals anders war.

Verführerisch ist es schon, dieses vollautomatische all-inclusive Sorgenlos-Paket (ein no-brainer, das heißt, man braucht gar nicht mehr daran zu denken) – Datensicherheit und Zuverlässigkeit sind bei den großen Online-Diensten im Allgemeinen höher als jene auf den lokalen Fest- und Massenspeichern der User. Und praktisch natürlich auch: Selbst „ungesicherte“ Dateien stehen auf sämtlichen OS-X- (und iOS-) Geräten in allen Versionen zur Verfügung, solange diese online sind.

Vertrauenssache? Meine heiklen Daten in der Wolke bei irgendeiner Firma? Also wenn, dann vertraue ich persönlich diesbezüglich eher Apple als allen anderen (Dropbox, Evernote, Google…) zusammen. Von Apple kamen noch keine Weltherrschafts-Allüren-Aussagen wie vom Chef der weltgrößten Datenkrake Google etwa, auch konnten noch keine Indiskretionen oder gar Datenverluste nachgewiesen werden.

Auch die Internet-Service-Provider sind mit dieser Technik stärker gefordert, für schnellere, zuverlässigere, flächendeckendere und unbürokratisch international zur Verfügung stehende immer-und überall-Funkverbindungen zu sorgen.

Wird schon noch… Für einen Anfang finde ich iCloud jedenfalls nicht schlecht und werde bestimmt davon Gebrauch machen.

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Eine Antwort zu OS X 10.8: In iCloud Ordner anlegen

  1. Johannes Flörsch schreibt:

    Sehr schöner Artikel, auf den ich gestoßen bin, als ich nach einer Möglichkeit suchte, wie ich meine Pages-Dateien in Ordnern zusammenfassen kann.

    Ich habe vor einer Woche Lion auf iMac und MB Pro aufgespielt und bin mehr als nur zufrieden: Mein iMac ist in puncto Surfen wesentlich schneller geworden, und obwohl ein unangenehmes Gefühl habe, was Auslagern von Daten betrifft, so nutze ich iCloud mittlerweile mit Begeisterung.
    Danke für die schöne Übersicht!
    johannes

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